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Literatur

Nach jahrelangem ehrenamtlichen Engagement darf aufgrund der aktuellen Pandemie kein Vorlesen am Freitag stattfinden. Die Büchereien in der Ev. Lukaskirche und im Haus Regenbogen haben wieder geöffnet. Für alle, die ihr Zuhause nicht verlassen können oder möchten, bieten Ehrenamtliche der Büchereien einen Bring- und Abhol-Service von Büchern an.

Buch-Empfehlungen der Bücherei in der Ev. Lukaskirche

Die Bagage. Monika Helfer, Hanser 2020. 158 Seiten. ISBN: 978-3-446-26562-2 19,00 Euro

Josef und Maria Moosbrugger leben Anfang des 20. Jahrhunderts am Rande eines Bergdorfes. Die Vorfahren des Familienoberhauptes haben als Träger ohne eigenes Land gearbeitet und sie gehören somit zu den Ärmsten der Gegend. Man nennt sie die Bagage. Allerdings ist Maria Moosbrugger trotz ihrer vier Kinder eine der schönsten Frauen im Dorf und wird von fast allen Männern umworben und begehrt. Als ihr Mann Josef in den 1. Weltkrieg ziehen muss, verlässt er seine attraktive Frau und die Kinder nur sehr ungern. Er bittet den Bürgermeister seines Dorfes, ein Auge auf seine Frau zu haben und diese auch mit Lebensmitteln zu versorgen. Während er im Krieg ist, kommt ein junger schöner Mann aus Hannover und klopft an Marias Haustür. Kurz danach ist Maria schwanger mit der Mutter der Autorin. Mit dieser Tochter wird Josef nie ein Wort sprechen.

In diesem biografischen Roman werden die dramatischen Lebenswege der Familienangehörigen geschildert, welche die Autorin von ihrer Tante erfährt, bei der sie aufwächst. Denn ihre Mutter ist sehr jung gestorben und auch die Großmutter Maria hat sie nur aus den Erzählungen kennengelernt. 

Rezension: Monika Kaless

Worauf wir hoffen. Fatima Farheen Mirza, dtv 2019. 477 Seiten. ISBN: 978-3-423-28176-8  24,00 €

Der Roman beginnt mit der Hochzeit der ältesten Tochter einer muslimisch-indischen Migrantenfamilie. Der Sohn Amar, das jüngste Kind, erscheint auf Wunsch seiner Schwester nach dreijähriger Abwesenheit auf dem großen Fest. Er hat sich von seiner Familie getrennt, weil er dieses traditionelle Leben im Elternhaus nicht mehr ausgehalten hat und der Meinung ist, dass er ihre Erwartungen, die sie von ihrem Sohn haben, bei weitem nicht erfüllen kann. Auch die älteste Schwester Hadia versucht ihren eigenen Weg zu gehen und erfüllt nicht immer die Wünsche der Eltern. Sie möchte gerne zur amerikanischen Gesellschaft gehören, dies aber lassen ihre Eltern kaum zu.

Der Vater ist damals extra aus Amerika in sein indisches Heimatdorf gereist und hat sich dort seine Ehefrau gesucht. Die beiden lernen sich erst am Hochzeitstag kennen. Sie leben in der heutigen Zeit vor dem Hintergrund des Attentates auf das World Trade Center in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten in der Nähe von Los Angeles nach wie vor im strengen muslimischen Glauben. Von ihren Kindern erwarten sie, dass diese sich ebenfalls an die Regeln der strenggläubigen islamischen Religionsgemeinschaft halten. Rückblickend erzählt die Autorin aus Sicht der einzelnen Familienmitglieder wie die Kinder aufwachsen, welche Sorgen und Ängste die einzelnen Personen plagen und wie die Töchter und der Sohn ihren eigenen Weg finden, mit den Vorstellungen der sehr gläubigen Eltern zurechtzukommen. Ein ganz besonderer Familienroman!

Rezension: Monika Kaless

Der größte Spaß, den wir je hatten. Claire Lombardo, dtv 2019. 718 Seiten. ISBN: 978-3-423-28198-0   25,00 Euro

Marilyn und David Sorenson sind vierzig Jahre glücklich verheiratet und haben vier höchst unterschiedliche Töchter, deren Leben bis zu einem beliebigen Ende in allen Einzelheiten beschrieben wird.

Der Roman einer amerikanischen Familie wird mit verschieden Zeitebenen geschildert, ist leicht als Urlaubslektüre lesbar.

Rezension: buechereien.ekir.de

Klett-Cotta 2020. 302 Seiten. ISBN: 978-3-608-96463-9 22 Euro

Der deutsche Auswanderer Josef Klein lebt seit den 1920er Jahren in New York. Seine Wohnung liegt im multikulturellen Harlem. Er ist ein großer Fan von amerikanischer Musik und leidenschaftlicher Amateurfunker. Nachdem er und seine Familie nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland alles verloren hat, möchte er in Amerika ein einfaches Leben in Freiheit führen. Als Drucksetzer in einer Druckerei muss er Flyer der in den USA agierenden Nazis und Antisemiten drucken. Sein Chef erwartet von ihm, dass er auch zu den Versammlungen dieser Nazi-Schergen geht. Bei einem dieser Treffen wird Klein vom „Amerika deutschen Bund“, dem seine Amateurfunkerei bekannt ist, angesprochen ob er nicht regelmäßig Daten an eine Hamburger Textilfirma senden kann. Es soll sich dabei um harmlose Informationen handeln, die allerdings aus Sicherheitsgründen verschlüsselt werden. Es ist ein gutbezahlter Job. Klein lässt sich darauf ein und gerät damit immer tiefer in das Spionagenetzwerk. Dies führt dazu, dass er aus dieser Tätigkeit nicht mehr aussteigen kann und seine Angst vor den Nazis immer größer wird. Er meldet sich beim FBI und wird somit zum Doppelagenten. 

Nach dem Krieg besucht er seinen Bruder und dessen Familie in Neuss und versucht dort wieder in ein normales Leben zurückzukehren. Das gelingt ihm nicht. Er strandet in Südamerika und wird muss sich dort seiner Vergangenheit erneut stellen.

Der historische Roman schildert in präziser und eindringlicher Sprache, welche Macht die Nationalsozialisten vor, während und nach dem Krieg in Nord- und Südamerika hat.

Die Autorin Ulla Lenze ist 1973 in Mönchengladbach geboren, studierte Schulmusik und Philosophie und lebt heute in Berlin. In ihren vorherigen Büchern hat sie sich vorwiegend mit dem Orient beschäftigt. Dies ist ihr 5. Roman.

Rezension: Monika Kaless

Winterbienen. Norbert Scheuer C.H. Beck 2019. 318 Seiten. ISBN: 978-3-40673963-7 22,00 Euro

Bislang zogen die schweren Folgen des zweiten Weltkrieges an den Bewohnern von Kall in der Eifel scheinbar vorbei, doch im letzten Kriegsjahr werden auch hier die Auswirkungen immer dramatischer. Insbesondere für Egidius Arimond, Epileptiker und ehemaliger Lehrer. Er lebt ziemlich zurückgezogen am Rand des Dorfes, kümmert sich intensiv um seine Bienenvölker, hat mit einigen Frauen des Dorfes Liebesverhältnisse und hält sein Leben akribisch in einem Tagebuch fest, das er in einer der Bienenstöcke versteckt. Um Geld für seine Medikamente zu bekommen, unterstützt er eine anonyme Organisation, die jüdischen Menschen zur Flucht nach Belgien verhilft. Seine Rückzugsorte sind seine Bienen, deren Verhalten er genau aufzeichnet, sowie die örtliche Bibliothek, wo er seine Bücher versteckt und sich mit dem Leben seines Vorfahren, des Mönches Ambrosius Arimond, beschäftigt.

Ein vielschichtiger Roman, der aus der Sicht von Egidius sachlich und unaufgeregt in Tagebuchform erzählt wird. Bienen und Staatsformen, Egoismus und Hilfsbereitschaft, Krieg und Flucht sind nur einige Themen dieses sehr gelungenen Romans, der ein mehrmaliges Lesen lohnt! Sehr gerne empfohlen für Leserinnen und Leser, die sich intensiver mit einem Buch auseinandersetzen möchten.

Für dieses Buch erhält der Autor Norbert Scheuer im Oktober 2020 den Evangelischen Buchpreis. Für weitere Informationen zum Buchpreis hier klicken.

Rezension: Monika Kaless

Das Buch Winterbienen wurde von der Ev. Bücherei Kirchberg in einen Videogottesdienst umgesetzt. Wir können das Video sehr empfehlen:

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